Was macht der Absatzsetzer

Diesen Artikel zur Vorgehensweise des Absatzsetzers habe ich schon an anderer Stelle (u.a. hier) veröffentlicht, aus aktuellem Anlass stelle ich ihn aber auch noch mal in dieses Blog...

Diesen Artikel zur Vorgehensweise des Absatzsetzers habe ich schon an anderer Stelle (u.a. hier) veröffentlicht, aus aktuellem Anlass stelle ich ihn aber auch noch mal in dieses Blog...

Die Art und Weise, wie InDesign Text umbricht, ist schon wiederholt als "unberechenbar" bezeichnet worden. In meiner Erfahrung wird das Urteil in zwei Situationen gefällt: entweder herrscht wirklich Chaos (das müssen wir hier ignorieren) oder die stattfindenden Berechnungen sind so komplex, dass ich den Algorithmus im Kopf nicht mehr nachvollziehen kann.

Das fängt damit an, dass der Absatz als Ganzes gesehen wird. Jede Lösung, die InDesign vorschlägt ist die, die in der Summe - über alle Zeilen gesehen - die kleinsten oder wenigsten Probleme enthält. "Probleme" wie in "Verstöße gegen meine eigenen S&B Einstellungen".

Ich habe ein, wie ich finde schönes, Beispiel gefunden, an dem ich das Vorgehen InDesigns und die Parameter erklären kann.

Ausgangspunkt sind diese Einstellungen für die Abstände

Mit den Einstellungen wird dieser Absatz so umbrochen. Achten Sie besonders auf die Wortabstände in der ersten Zeile. Die sind deutlich unter 80%. Aber wieso?

Wieso trennt er z.B. nicht "Su-che"?

Es fängt damit an, dass dieses die Silbentrennungs-Einstellungen sind.

Ich habe verboten, dass "Suche" getrennt wird. Stelle ich "Nach ersten: 2" ein, erhalte ich dieses Ergebnis. Es nutzt übrigens nichts, stattdessen nach dem u einen bedingten Trennstrich einzugeben. Das wäre ja immer noch ein Verstoß gegen meine Trennvorgaben.

Aber zurück zu den Ausgangseinstellungen. Was würde denn der Einzeilensetzer machen?

Der würde in der 5. Zeile einen WA von rund 800% erzeugen. (Ka|Fiesta...) kann nicht getrennt werden.

Zurück zum Anfang. Wenn er "Suche" nicht trennen darf, wäre es dann nicht besser, das ganze Wort in die nächste Zeile zu nehmen?

Das gäbe dieses Ergebnis: statt dass eine Zeile etwas zu eng läuft, liegen alle Zeilen im unerlaubten Bereich.

Also ist "Maximal: 150" einfach zu wenig? Wenn wir den Wert hochsetzen, erhalten wir bei 210% dieses Ergebnis...

Drei zu weite Zeilen wiegen also leichter als eine zu stark gestauchte.

Statt den Maximal-Wert hochzusetzen (besser: zusätzlich dazu, den MAx-Wert hochzusetzen) können Sie auch den Minimal-Wert etwas anheben.

Bei 83-100-150 gibt es diesen Zeilenfall.

Aber wieso nimmt er nicht nur "Suche" in die 2. Zeile, sondern "die Suche"?

Weil das dieses Ergebnis hätte. Es ist insgesamt, über den ganzen Absatz gesehen, schlechter.

Es bleibt unterm Strich, dass ich in InDesign einfach überdenken muss, was meine S&B Einstellungen eigentlich bedeuten. Vor allem der Maximal-Wert war in Quark in etwa "Es wäre ganz nett, wenn das Ergebnis unter dem Wert liegt, aber im Zweifelsfall ist es mir scheißegal." während diese Grenze in InDesign bedeutet: "Ich meine es Ernst mit diesen 150%. Wenn das Ergebnis davon zu weit abweicht, finde lieber eine andere Lösung."

Ach ja, die eigentlich beste Lösung: wenn ich jeweils nach dem "|" ein Zero-Width-Space einfüge, gibt es auch mit den Ausgangs-Einstellungen dieses Ergebnis.

Dieses Zeichen finden Sie unter "Schrift > Umbruchzeichen einfügen > Bedingter Zeilenumbruch"